Tagesablauf

Der Kinderladen wird um 08:00 Uhr von einem/r Erzieher/in geöffnet. Da der Dienst der/des Kollegin/Kollegen erst gegen 09:00 Uhr beginnt, ist sie/er bis dahin allein für verschiedenste Aufgaben zuständig. Hierzu gehört u. a. das Öffnen der Jalousien, das Herunterstellen der Stühle, die Vorbereitung des Frühstücks, der Vesper etc.

Die Begrüßung der Kinder hat Priorität. Wir achten auf eine individuelle Begrüßung und vermitteln den Kindern, dass wir uns über ihr Erscheinen freuen. Fällt der Abschied schwer, winken wir gemeinsam mit den Kindern am Fenster. Indem andere Kinder in das Trösten einbezogen werden, vermitteln wir durch unsere Nähe Geborgenheit und Trost. Mitgefühl und Anteilnahme geben ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Hier ein Bespiel für einen traurigen Abschied, der in ähnlicher Form immer wieder mal vorkommt: Ein Kind wartet am Fenster darauf, dass es seinem Elternteil winken kann. Das Winken wurde jedoch vergessen, so dass das Kind nach längerer vergeblicher Wartezeit heftig zu weinen beginnt. Die Erzieherin tröstet das weinende Kind, und beide überlegen, wie man den Schmerz lindern kann. In diesem Beispiel war die Lösung „Morgen muss er zweimal winken, nein – viermal“. Beim Verlassen des Raumes wird das Kind liebevoll von einem anderen Kind gedrückt.

Hier wird deutlich, dass Orientierungshilfen im Leben der Kinder für die Entwicklung der emotionalen wie auch der sozialen Kompetenz unabdingbar sind. Das Finden dieser Lösung benötigte Zeit, so dass die organisatorischen Aufgaben in den Hintergrund traten. Auch für die Begrüßung anderer Kinder blieb in diesem Fall wenig Zeit.

Von 8:30 bis 9:00 Uhr haben die Kinder die Möglichkeit zu frühstücken. Der Frühdienst deckt hierfür den Tisch und bezieht die bereits anwesenden Kinder beim Decken mit ein. Wir zählen gemeinsam, wie viele Kinder anwesend sind, und das benötigte Geschirr wird dementsprechend abgezählt.

Dieser spielerische Umgang mit Zahlen wird während des gesamten Tagesablaufes praktiziert und hilft den Kindern, mathematische Kompetenzen zu entwickeln. Kinder lernen durch den Umgang mit lebenspraktischen Erfahrungen das System der Mathematik (Addition und Subtraktion beim Abzählen der Kinder, beim Decken des Mittagstisches, beim Aufstellen von Stühlen etc.)

Im Idealfall bleibt der Frühdienst während des Frühstücks am Tisch sitzen und schafft durch Gespräche eine angenehme Atmosphäre. Die Begrüßung anderer Kinder, der Austausch von Informationen mit Eltern, Telefonate etc. machen dies jedoch nicht immer möglich.

Bis um 9:30 Uhr sollen alle Kinder verabschiedet sein, und auch der Dienst der/ des Kollegin/Kollegen und des Praktikanten / FSJ-ler (Freiwilliges Soziales Jahr) hat begonnen.

Wir beginnen den Tag mit einem Morgenkreis und begrüßen uns mit einem Lied. Gemeinsam zählen wir, wie viele Kinder anwesend sind und überlegen, wer fehlt. Erstaunlich ist hierbei, dass nicht selten Kinder als fehlend genannt werden, die den Kinderladen bereits vor längerer Zeit verlassen haben. Dies zeigt uns, wie stark der Gruppenzusammenhalt ist. Musik bedeutet, dass die Kinder lernen, ihre Gefüle ausdrücken zu können, und sie merken, dass gemeinsames Singen mehr Spaß macht als alleine zu singen. Durch Gespräche über aktuelle Themen oder durch die Wiederholung von Liedern, Reimen, Sing- und Fingerspiel und durch Späße regen wir die Kinder an, Freude und Spaß am Mitsprechen zu entwickeln.

Die Sprache ist zweifellos das wichtigste Instrument, um sowohl eigene Befindlichkeiten auszudrücken als auch direkten Kontakt zur Umwelt aufzunehmen. Somit messen wir der Sprachförderung große Bedeutung bei. Das Erlernen der Sprache erfolgt in erster Linie über Nachahmung. Wir als Erzieher/innen haben eine Vorbildfunktion.

Besonders Kinder zwischen zwei und drei Jahren haben oft noch Hemmungen, wenn es um den Einsatz der eigenen Sprache geht. Viele Kinder scheuen sich zusätzlich davor, im Mittelpunkt zu stehen. Es liegt an uns, diese Unsicherheiten zu erkennen und sensibel anzugehen. Damit sich Kinder selbstsicher und ohne Scheu ihrer Sprache bedienen, vermeiden wir es, sie zu korrigieren. Wir antworten in Form einer „verbesserten Rückmeldung“. Auf diese Weise erfährt das Kind die richtige Grammatik oder Aussprache, ohne jedoch kritisiert und verunsichert zu werden.

Die Förderung der Sprache hat natürlich nicht nur während des Morgenkreises eine große Bedeutung. Dieser bietet jedoch im besonderen Maße auch die Möglichkeit zu lernen, einander zuzuhören, andere ausreden zu lassen, Freude an lustigen Erzählungen zu haben und Mitgefühl über traurige Erlebnisse zu zeigen. Während das Zählen, das Benennen von Buchstaben und das Wissen über aktuelle Geschehnisse für unsere derzeitige Gruppe keine Schwierigkeit darstellt, fallen diese sozialen Fähigkeiten zur Zeit jedoch schwer und sind somit Bestandteil der pädagogischen Arbeit.

Am Ende des Morgenkreises wird der weitere Verlauf des Tages besprochen. Ist ein Spielplatzbesuch geplant, wird durch Abstimmung zwischen zwei Möglichkeiten entschieden. Diese Vorgehensweise ermöglicht den Kindern, auf demokratische Weise über Mitbestimmung Entscheidungen zu treffen.

Bei einer Gruppenstärke von 20 Kindern und durch die große Altersmischung ist es nicht immer möglich, den Morgenkreis so interessant zu machen, dass alle Kinder 15 bis 20 Minuten anwesend bleiben. Die Bedürfnisse der Zweijährigen und die der Fünfjährigen sind oft nicht in Einklang zu bringen, was zu einem Splitten der Gruppe führen kann.

An dieser Stelle bitten wir nochmals darum, dieses morgendliche Ritual nicht zu stören. Ein späteres Bringen ist sinnvoller als das Warten vor der Tür, da auch die Anwesenheit eines Kindes vor der Tür eine Ablenkung darstellt.

Gegen 9:50 Uhr ist in der Regel der Morgenkreis beendet. Erscheint das motorische Bedürfnis der gesamten Gruppe sehr stark, verlassen wir den Kinderladen, um einen der vielen Spielplätze in der Umgebung zu besuchen.

Beim Anziehen der Kinder bieten wir unsere Hilfe an, achten jedoch darauf, dass sie hierbei immer selbständiger werden.

Überqueren wir eine Straße, fassen sich jeweils zwei Kinder an. Die beiden Kinder, die vorne in der Schlange stehen, achten auf eine freie Fahrbahn und verkünden den anderen den richtigen Moment zum Überqueren mit dem Zuruf „Wir können!“ Selbstverständlich achten auch wir auf die Richtigkeit dieser Entscheidung. Dennoch übernehmen die Kinder hierbei nicht nur Verantwortung für sich, sondern auch für die gesamte Gruppe. Sicheres Verkehrsverhalten wird geübt.

Auf unseren Wegen sind wir aufmerksame Entdecker. Das Interesse der Kinder für die Müllabfuhr, Polizei, Baustellen, Schnecken etc. wird berücksichtigt, indem wir differenzierte Beobachtungen an Ort und Stelle ermöglichen. Das Vorleben eigener Neugier führt oft zu spannenden Fragen und Erkenntnissen.

Auf dem Spielplatz angekommen, möchten wir mögliche Bedenken der Eltern, dass regelmäßige Spielplatzbesuche die Kinder nicht bilden würden, gerne ausräumen. Hier gibt es die Möglichkeit, sich Sachwissen anzueignen. Kinder brauchen unmittelbare Bewegungserfahrungen, um sich zu entwickeln. Es ist wichtig, dass sie Anregungen bekommen, alle Bewegungsarten auszuprobieren und zu üben: Schaukeln, Springen, Hüpfen, Rutschen, Wippen, Klettern, Balancieren etc. Dies fördert die Wahrnehmung wie auch die Körperwahrnehmung, eine der wichtigsten Fähigkeiten, um die Schulfähigkeit des Kindes zu erreichen.

All dies bieten die Spielplätze. Aus diesem Grund messen wir auch dem „Turntag“ und dem Aufbau des Klettergerüstes im Toberaum große Bedeutung bei. Gezielte Bewegungsangebote vermitteln den Kindern zudem eine Vorstellung von hoch/tief, oben/unten, vorne/hinten.

Gegen 12:00 Uhr gibt es Mittagsessen. Bei der Zubereitung dieser Mahlzeit beteiligen sich die Kinder sehr gerne. Bis zu drei Kinder können beim Schneiden, Rühren, Messen usw. helfen und erledigen sogar gerne den Abwasch des benutzten Geschirrs.

In erster Linie ist es uns wichtig, dass die Kinder mit Freude essen. Wir portionieren das Essen und die Getränke in mehreren Schüsseln bzw. Kannen, so dass sich die Kinder ihre Teller und Gläser selbständig füllen können. Immer wieder gibt es Kinder, die sich „Berge“ auftun. Da dies jedoch den Unmut anderer Kinder und auch von uns auslöst, lernen die Kinder schnell, sich besser mehrmals kleinere Portionen aufzutun. „Manno, und was soll ich dann essen, wenn du alles nimmst?“

Bevor wir mit der Mahlzeit beginnen, wünschen wir uns mit einem Tischspruch „Guten Appetit“. Bsp.: „Die Räuber, die Räuber, die schimpfen alle sehr. Die Teller, die Teller, die sind noch ziemlich leer. Erstmal mit den Fingern zappeln, kräftig mit dem Popo wackeln, liebevoll die Bäuche streicheln, über Kreuz die Hände reichen – guten Appetit!“

Nach dem Essen fallen bis zur Schlafenszeit gegen 13.00 Uhr noch einige pflegerische und organisatorische Aufgaben an. Kinder werden gewickelt, die Tische und der Fußboden gereinigt, das Geschirr in die Spülmaschine gestellt etc.

Die „Schlafkinder“ gehen mit einem/r Erzieher/in in den Schlafraum. Beim Auskleiden helfen auch gerne die größeren Kinder. Es gilt die Rituale der Kinder zu erfüllen. Die meisten erfreut ihr Nuckel, ein Kissen oder Kuscheltier. Besonders viel Hektik entsteht, wenn dieses wichtige Schlafutensil im Kinderladen verschwunden ist und alles schnellstens abgesucht werden muss, um Tränen zu vermeiden.

In gemütlicher Atmosphäre wird ein Buch gelesen und ein Schlaflied gesungen. Die Kinder schlafen nie in völliger Dunkelheit, sondern mit einem Schlummerlicht. Die Matratzen liegen dicht aneinander, um den Kindern ein Gefühl von Geborgenheit und Zusammengehörigkeit zu vermitteln. Schnell begreifen die Kinder, dass sie nach dem Schlafen nicht liegen bleiben müssen. Sie schaffen es, leise die Tür zu öffnen und selbständig in die anderen Räume zu kommen.

Die Kinder, die nicht schlafen, sollen während der Schlafenszeit Rücksicht nehmen und sich ruhig verhalten. So ist dies auch die Zeit, in der wir gerne Geschichten lesen oder erfinden.

Viele Kinder haben während dieser Zeit auch das Bedürfnis, zu malen oder anderweitig kreativ zu werden. Die Ideen gehen hierbei nicht aus. Ob „Federburg“ oder „Glitzersonne“ – wir versuchen die Gestaltungsfantasie der Kinder anzuregen und stehen ihnen hilfreich zur Seite.

Wir sorgen durch die Ausstattung der Räume, die verschiedensten Materialien und pädagogische Angebote für vielfältige Erfahrungen. Das Malen und Gestalten im Kinderladen sind Formen nonverbaler Kommunikation und ermöglichen es uns, etwas von der individuellen Wahrnehmung der Kinder zu erfahren.

Bereits in der Eingewöhnungszeit gestaltet sich jedes Kind eine eigene Bildermappe, in die es jede Zeichnung selbständig einsortieren kann.

Gegen 14:30 Uhr ist die Ruhepause im Kinderladen vorbei, und der Mittagsschlaf wird bei den „Langschläfern“ sanft beendet. Das Erwachen der Kleineren löst bei den Größeren stets große Freude aus. Die Begrüßung ist herzlich.

Um 14:45 Uhr bieten wir eine Vesper aus Brote, Obst oder Rohkost an.

Bedingt durch die beginnende Abholsituation und das unterschiedliche Dienstende von uns sowie verschiedenste Aufräumarbeiten verläuft der Nachmittag sehr lebhaft. Gezielte Angebote sind nur begrenzt möglich.

Bis spätestens 17:00 Uhr (freitags 16:30 Uhr) müssen alle Kinder abgeholt sein.